17. Dezember
Prophet Daniel (blau #) Knecht des lebendigen Gottes
Daniel wurde zugesagt: Fürchte dich nicht, du von Gott Geliebter! Friede sei mit dir! Sei getrost, sei getrost. (Dan 10,19)
Zum christlichen "Gedenken der Heiligen" wird häufig auf die "Wolke der Zeugen" nach Hebräer 12,1 hingewiesen; da sind es eben Abel, Henoch, Noah, Abraham und Sara etc. etc., die namentlich genannt werden. In manchen Kirchen der Ökumene (Orthodoxie, Anglikanische Kirche in Kanada, amerikanische Lutheraner (LCA)) wird neben den Heiligen des Neuen Bundes auch an herausragende Gestalten des Ersten Bundes mit Texten aus dem Alten Testament (Tora, Prophetenbücher, Schriften) sowie dem Neuen Testament erinnert. So kann deren Gedenken berechtigterweise auch „Thema“ für einen Wochen-Gottesdienst in evangelischer Tradition abgeben. (Gerade König David wird in der Confessio Augustana, Art. 21 als ein "Heiliger" angeführt, dessen Beispiel man folgen könne.) Entsprechend werden Vorschläge für eine abendliche Feier (Vesper) mit Elementen aus der Tagzeitenliturgie geboten.
Abendgottesdienst
Eröffnung (Begrüßung)
Gelobt sei Gott, der Herr, der Gott Israels, der allein Wunder tut. Gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich und alle Lande sollen seiner Ehre voll werden. (Ps 72,28.29) R: Amen.
Wir gedenken heute des "Propheten" Daniel, der zentralen Gestalt eines im 2. Jahrhundert v. Chr. entstandenen, lehrhaften, apokalyptischen Buches. Es ist vom Autor in der Form eines Selbstzeugnisses aus dem 6. Jahrhundert verfasst und wurde erst spät Bestandteil des Alten Testaments. Daniel wird infolge der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar nach Babylon verschleppt. Seine „Treue zu Gott zeigt sich im Leben nach der Tora (1,8–16, negativ 9,9–13) und im täglichen Gebet (6,11) und schließt eine Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft (3; 6) aus. Das führt zu tödlichen Gefährdungen, die durch Gottes Eingreifen überwunden werden.“ (a)
[ Lied: Lobe den Herren, o meine Seele (EG 303,1–4.8) ]
oder Eröffnung (Ingressus): Herr, bleibe bei uns (EG Wü 781.1)
Psalmodie (gesungen)
Leitvers: Der Engel des Herrn behütet alle, die ihn fürchten.
Psalm 34: Ich will den Herrn loben allezeit (EG Wü 781.2)
oder mit dem Evangelischen Tagzeitenbuch
Leitvers: Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.
Psalm 31 C – Wie groß ist deine Güte, Herr (TZB 492)
oder Psalmgebet (gesprochen)
Votum: Der lebendige Gott, der ewig bleibt und dessen Reich unvergänglich ist und dessen Herrschaft kein Ende hat, er ist ein Retter und Nothelfer und tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf Erden. (nach Dan 6,27.28)
Psalm 30 – Ich preise dich, Herr (EG E.44 / EG 715)
Tagesgebet
Beten wir in der Stille zu Gott, der uns den Weg zum Leben führt: – Stille –
Gott, Herr der Welt, ewig und treu. Ohnmächtig stehen wir oft der Gewalt und dem Unrecht gegenüber. Gib uns Kraft gegen die Mächte der Finsternis und richte unter uns dein Reich auf, in dem Friede und Gerechtigkeit herrschen. Habe Erbarmen mit uns und rette uns um Jesu Christi willen, deines Sohnes, unseres Herrn. (b)
Lesung (Altes Testament): Daniel 6 (in Auswahl) – Daniel in der Löwengrube
Antwortgesang: Gelobt sei der Name des Herren (EG Wü 779.4)
Lesung (Neues Testament): Hebräer 11,32b-40 – Diese haben durch den Glauben...
Antwortgesang: Weise mir, Herr, deinen Weg (EG Wü 779.3)
Auslegung oder Betrachtung
Lied: Wo Gott der Herr nicht bei uns hält (EG 297 in Auswahl)
[ Canticum (c)
Leitvers: Der Herr hat uns aufgerichtet eine Macht des Heiles im Hause seines Dieners David.
Benedictus: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels (EG Wü 779.6) ]
Fürbitten
Gott, an diesem Tag, da wir des Geschicks deine Knechtes Daniel und seiner Rettung gedenken, bitten wir besonders für alle, die wegen ihres Glaubens benachteiligt und verfolgt werden. Stärke sie mit deinem Heiligen Geist, damit sie in ihrer Bedrängnis die Hoffnung nicht verlieren. Wir rufen dich an: R: Kyrie eleison
Wir bitten auch für die Verfolger, dass sie das Unrecht, das sie anderen antun, spüren und begreifen. Lass sie dich in den Opfern erkennen. Wir rufen dich an: R: Kyrie eleison
Wir bitten auch für alle, die aus Gründen der Politik, der Hautfarbe, der Herkunft oder Rasse verfolgt werden. Sieh auf das Unrecht, das ihnen widerfährt, und mache uns bereit, ihnen Schutz zu gewähren. Wir rufen dich an: R: Kyrie eleison
Wir bitten für deine Kirche in aller Welt. Stärke uns den Glauben durch das Zeugnis unserer bedrängten Brüder und Schwestern. Mach uns empfindsam für die Not aller Unterdrückten und hilf uns entschieden zu sein im Einsatz gegen Unrecht. Wir rufen dich an: R: Kyrie eleison
Wir gedenken aller, die mit dem Opfer ihres Lebens Zeugnis für dich abgelegt haben (besonders...). Lass sie deine Herrlichkeit schauen und mach uns fähig zum mutigen Bekenntnis. Wir rufen dich an: R: Kyrie eleison
Gott unser Vater, im Gebet tragen wir das Leiden der Verfolgten vor dich und die Klage derer, denen die Sprache genommen wurde. Wir vertrauen auf dein Erbarmen und preisen deine Güte durch Christus, unseren Retter und Herrn. (d)
Vaterunser
Schlussgesang: Verleih uns Frieden gnädiglich (EG 421)
oder Schalom chaverim (EG 434)
Segen
Gott, schenke uns Frieden und alles Gute; segne uns und schütze unser Leben; lass deine Gnade und Güte über uns walten; deine Gerechtigkeit und dein Erbarmen mögen uns stets begleiten. (e)
Anhang
Zum Daniel-Buch
Das Danielbuch ist im 2. Jahrhundert v. Chr. entstanden, wobei es vom Autor in der Form eines Selbstzeugnisses aus dem 6. Jahrhundert verfasst ist. Es wurde erst spät Bestandteil des Alten Testaments und wird in der Hebräischen Bibel nicht zu den Propheten, sondern zu den Ketuvim (Schriften) gezählt. Die Septuaginta kennt zudem Passagen, die in den lutherischen Übersetzungen als apokryphe „Stücke zum Buch Daniel“ enthalten sind (u.a. der Gesang der drei Männer im Feuerofen = Benedicite). Ein mittlerer Teil (2,4b – 7,28) der Schrift ist nicht in Hebräisch sondern in Aramäisch verfasst. Der Daniel des Buches, dessen Name "Gott ist der Richter" bedeutet, wurde 605 v. Chr. nach Babylon – im heutigen Irak – ins Exil deportiert, dann dort am Hof des Königs Nebukadnezar erzogen. Nach einer Traumdeutung erhielt er eine einflussreiche Stellung am Hof (Dan 1). Wegen seiner Glaubenstreue ließ der König einige seiner hebräischen Freunde in einen Feuerofen werfen, aber sie überlebten dank Gottes Hilfe (Dan 3). Daniel deutete auch dem nachfolgenden König Belsazar die sprichwörtlich gewordenen, geisterhaften “Zeichen an der Wand”, die “Menetekel”; sie lauteten: “Mene mene thekel upharsin” und bedeuten: “mene”: “Gezählt sind Deine Tage”; “thekel”: “Du bist von Gott gewogen und zu leicht befunden”; “upharsin”: “und geteilt werden wird Dein Reich” (Dan 5). Weil Daniel sich nicht an das Verbot des Betens hielt, das König Darius erlassen hatte, wurde er in die Löwengrube geworfen, blieb aber unversehrt und wurde gerettet (Dan 6). – Seinem Volk im Exil erschloss Daniel mit seiner apokalyptischen Weissagung die Messias- und Endzeiterwartung (Dan 7–12) [ Das Gebäude mit dem angeblichen Grab Daniels in Susa – heute Ruinen bei Shush – im Iran hat die Form eines Zuckerhutes.] (e) „ Für nichtjüdische Leserinnen und Leser könnte das Danielbuch ein Anlass sein, Israels Gott zu respektieren, sich an Daniels Treue zu Gott ein Beispiel zu nehmen, Menschenwürde und religiöse Identität von Juden und Jüdinnen nicht zu verletzen. Denn alle Gewalt hat keinen Bestand und wendet sich gegen die Gewalttätigen selbst (6,25).“ (f)
Vgl. auch Daniel – Visionär und Apokalyptiker
In: H. Bedford-Strohm, Die Personen der Bibel, München 2016, S. 35
Quellen und Vorlagen
Soweit nicht anders angegeben sind Bibelverse wörtlich zitiert aus: Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung – revidiert 2017, © 2017, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart # als eigenständige liturgische Farbe für das Gedenken alttestamentlicher Gestalten könnte das adventliche Blau (der Erwartung) verwendet werden, wie in der schwedischen und finnischen Kirche sowie in einer Reihe amerikanischer Denominationen (z.B. Lutheraner) gebräuchlich. [ ] Durch Klammern gekennzeichnete Stücke können entfallen a vgl. Bibel in gerechter Sprache, Gütersloh 2006, S. 1360 b vgl. O. Hagenmüller (Hg), Gebete zu den Psalmen, St. Ottilien 1995, S. 37 c Die Verwendung des Benedictus als Canticum in diesem besonderen Abendgottesdienst legt sich durch den Bezug zu Johannes den Täufer nahe, da er in ostkirchlicher Tradition als Repräsentant des ersterwählten Gottesvolkes gesehen wird (vgl. Darstellung der Deisis). d vgl. Materialheft: 26. Dezember – Gebetstag für verfolgte Christen, OKR Stuttgart 2009, S. 22 e vgl. Magonet, Jüdische Gebete für Schabbat und Wochentage, München 1996, S. 11 f vgl. Ökumenisches Heiligenlexikon zu Daniel g vgl. Bibel in gerechter Sprache, Gütersloh 2006, S. 1360