Die liturgischen Farben sind eine alte Tradition in der West-Kirche, die bis ins frühe Mittelalter seit der Karolingerzeit zurückreicht, eine offizielle Regelung erfolgte erst unter Papst Innozenz III. (1198-1216). Sie wurden auch im evangelischen Württemberg - sonst liturgisch „zurückhaltend“ - weiter beachtet, wie alte Dienstanweisungen an Mesner belegen. Liturgische Farben unterstreichen den Charakter, die „Tönung“ und den Zusammenhang einer Kirchenjahreszeit und werden für Paramente und Gewänder (z.B. Stola) verwendet. Man darf dabei von einer Ausdruckskraft der Farben ausgehen und dass ihr Symbolwert Menschen unmittelbar anspricht.
„Als Farbe des Lichts, der Unschuld und Vollkommenheit gilt das Weiß des Taufkleids..., der Alba und der Abendmahlstücher. Weiß ist sodann die Farbe der Christusfeste: Weihnachten bis zur Epiphanias(zeit), Gründonnerstag, Ostern und die Osterzeit, Trinitatis.
Rot ist die Farbe des Blutes, der Märtyrer, des Feuers, der Kirchenfeste; so zu Pfingsten, Kirchweih, Apostel- und Märtyrergedenken, am Reformationstag, zum Gottesdienst bei einer Ordination.
Grün als Farbe des Lebens und der wachsenden Saat gehört den Sonntagen nach Trinitatis sowie denen zwischen Epiphanias und der Fastenzeit zu.
Die Farbe der Buße und der Bereitung ist Violett, daher Farbe der Advents- und Fastenzeit, ebenso für Buß- und Bettage.
Schwarz als Zeichen der Trauer benutzt man häufig für Totengedächtnistage, auch für Karfreitag und Karsamstag (sofern an diesen Tagen nicht Altar- und Kanzelbehänge völlig fehlen.) Im Blick auf den Gedanken der Auferstehung kann am Totengedenktag auch Weiß aufgelegt werden.“ (nach H. Nitschke, Lexikon Liturgie, Hannover 2001, S. 51)
Es gibt durchaus Abweichungen von diesen Regeln, so ist z.B. in Schweden und anderen nordischen Länder sowie in den USA das Königsblau die Farbe für den Advent (und für Marientage). Bei Anglikanern gibt es das sog. Lenten Array, aus ungebleichtem Leinen, das an „Sack und Asche“ erinnern soll. Braun war als Bußfarbe in manchen französischen Diözesen üblich, Gelb für Maria Magdalena und andere „Bekenner“ oder Orange gibt es für Bischöfe in Indien. In der römisch-katholischen Kirche ist es Brauch, das königliche Rot am Palmsonntag und (neuerdings) an Karfreitag zu verwenden. Auch Rosa, in dem das Violett der Bußzeit mit dem sich ankündigenden Fest-Weiß mischt, ist an den Sonntagen „Gaudete“ (Freuet euch - Philipper 4,4) am 4. Advent und an „Lätare“ (Freuet euch - Jesaja 66,10) vor Ostern zu finden. In der östlich-orthodoxen Tradition, die eine solche Beachtung liturgischer Farben nicht kennt, spielt eher die Wichtigkeit und der Rang eines Anlasses für die Wahl der Gewänder eine Rolle.
Grundsätzlich richtet sich die liturgische Farbe in einem Gottesdienst nach dem Kirchenjahr. Aus besonderem Anlass (Konfirmation, Ordination, Einführungen, Friedensgebet, Bußfeier) kann eine eigene, dazu passende Farbe verwendet werden. Bei Kasualien ist darauf zu achten, dass die Farbe - insbesondere bei einer getragenen Stola - „stimmig“ zum Anlass ist. Eine violette Stola passt nicht zu einer Trauung oder Taufe - hier wäre im Advent oder in der Passion weiß angemessen. Eine grüne oder rote Stola gehört nicht zu einer Beerdigung; da es allerdings - anders als bei den vorhandenen Paramenten - keine schwarzen Stolen gibt, wäre die Auferstehungfarbe Weiß am besten. Bei ökumenischen Gottesdiensten sollen evtl. Differenzen in den Farben bei den Liturgen (z.B. Karwoche) vorab geklärt werden, etwa ob man sich nach den Regeln der Kirche richtet, in der solch ein Gottesdienst gefeiert wird.