Texte zu Gottesdiensten
im Kirchenjahr



Gloria

RB – 30.08.2026

Christian Lehnert schreibt in seiner Darstellung des lutherischen Gottesdienstes unter dem Titel „Hinauf und herab“ über das Gloria: „Die Worte d(ies)es zweiten Meßgesanges Gloria in excelsis Deo weisen in zwei entgegengesetzte Richtungen. Wir sitzen in den Kirchenbänken und hören Engeln zu, höheren Mächten. Der Evangelist Lukas berichtet in der Weihnachtsgeschichte davon, wie Hirten auf dem Feld in der Nacht der Geburt Jesu zuerst diese Worte vernahmen: „Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ (Lk 2,13-14) Über uns als feiernder Gemeinde öffnen sich biblisch-bildlich andere Sphären. Wir werden mit diesem Gesang Zeugen eines Gottesdienstes in einer anderen Welt. Wir lauschen. Das ist die eine Richtung: Der Gesang kommt herab. Aber das Gloria ist auch eine intensive Gebetsanrufung. Wir loben den Gott, der uns Frieden, Shalom, bringen will. Wir stimmen ein in den Gesang aus der Höhe mit unseren menschlichen Stimmen. Wir singen betend mit. Unser Gesang steigt auf. Eine Zwischenwelt schwingt. Menschen- und Engelsstimmen sind vereint.

Dieser Hymnus (der zu Festtagen als Großes Gloria, EG 180.1, in vielen Gemeinden auch in vollständiger Form erklingt) stammt aus dem Osten des Römischen Reiches und wurde von griechisch sprechenden Christen am frühen Morgen gesungen, zum Sonnenaufgang. Er gehörte in die frühe Dämmerung, in das schwindende Dunkel zum Ende der Nacht, wenn erste Konturen und Farben erwachen und der Tau fällt – ein Gesang, in dem die neue Welt Gottes aufscheint. Die Verse tauchten im lateinischen Westen dann zunächst in der weihnachtlichen Messe auf. Von dort drang der Gesang auch in die wöchentlichen Gottesdienste ein. So ist er uns überliefert. Bis ins zwölfte Jahrhundert durften einfache Priester das Gloria nicht anstimmen – das war Bischöfen vorbehalten. Zu verwirrend, zu gefährlich." Chr. Lehnert, Hinauf und herab, S.

Die Entwürfe in „Evangelische Liturgie“ gehen davon aus, dass das Gloria - außer in Bußzeiten - der reguläre Lobpreis an Sonn- und Festtagen sein kann. In der Weihnachts- und Epiphanienzeit sowie von der Osternacht bis zum Trinitatisfest sollte es in seiner liturgisch vollen Form (EG 180.1 und 180.3) gesungen werden, ähnlich an hervorgehobenen Gedenktagen (z.B. Johannis, Michaelis, Reformationsgedenken) (Hier könnte auf das Kyrie - s. dort - verzichtet werden.). Es müsste wohl nicht immer vorkommen. In den „grünen Zeiten“ (Vorfasten, nach Trinitatis, Ende des Kirchenjahres) währe eine Abwechslung möglich, indem es - verkürzt auf den Versikel nach Lk 2,14 - den Antwortruf in der Sequenz von „Bitte und Lob“ (in unierten Kirchen üblich) bildet oder durch einen Lobpreis aus der ökumenischen Praxis (Trishagion (EG 185.4), Seligpreisungen (EG 307), andere Formen) ersetzt wird.

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