Texte zu Gottesdiensten
im Kirchenjahr



Phasen im Gottesdienst

Reinhard Brandhorst – 05.09.2026

Im Evangelischen Gottesdienstbuch wird für die Strukturierung und Untergliederung der Gottesdienste der Ausdruck „Teile“ (s. 34) verwendet und jeder Teil mit einer zumeist doppelten Charakterisierung gekennzeichnet. Mir scheint es hilfreich, diese „Teile“ oder „Stationen“ der Eindeutigkeit halber noch weiter in „Phasen“ zu untergliedern, die mit je einem Begriff gekennzeichnet werden. So ergibt sich die Abfolge Sammlung - Anrufung - Verkündigung - Bekenntnis (Antwort) - Mahlfeier - Sendung. In den vorgelegten Entwürfen wird diese Gliederung zwar nicht ausdrücklich angezeigt, steht aber gleichsam im Hintergrund

Entsprechend evangelischem Verständnis, wie es auch eine Studie des Lutherischen Weltbundes betont, stehen bei diesem so strukturierten Gottesdienst die beiden Phasen im Zentrum, in denen es vor allem um die Zuwendung Gottes zu uns Menschen geht: Gottes Dienst an uns durch das Wort - in der Verkündigung - und sein Dienst durch das Sakrament - in der Feier des Abendmahls - beide Male Phasen, wo die Gemeinde rezeptiv sein kann (direkter Dienst Gottes - im Focus katabatisch).

Dann gibt es - darauf bezogen - zwei expressive Phasen, in denen die Hinwendung der Gemeinde zu Gott im Vordergrund steht: dies ist - hinführend zur Verkündigung - die Anrufung und - antwortend auf die Verkündigung sowie ggf. überleitend zur Feier des Abendmahls - das Bekenntnis, wobei „Bekenntnis“ in einem „weiten“ Sinn verstanden werden sollte, nämlich als einverständliche Antwort (indirekter Dienst Gottes - im Focus anabatisch).

Und schließlich finden sich noch zwei Phasen, die eher „Schwellen“charakter haben, wo also ein Übergang vollzogen werden soll - einmal von der Alltäglichkeit in die besondere Situation der Feier als Sammlung (bzw. Eröffnung) - und gegenläufig dann die Bewegung von der Feier in die Alltäglichkeit mit der Sendung (im Focus kommunikativ).

Solch eine Strukturierung geht aus von dem, wie „unser“ Gottesdienst geschichtlich geworden und gewachsen ist und gliedert ihn zugleich unter systematischen Gesichtspunkten, wobei diese eher induktiv. Diese Phasen sollte man sich bewusst machen und reflektiert berücksichtigen, wenn man einen Gottesdienst vorbereitet, das gilt ganz besonders bei sog. offenen Gestaltungen. Die Achtung der Grundstruktur kann einem mindestens ebenso helfen, als gewöhnliches Gemeindeglied den Gottesdienst bewusst mitzufeiern.

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