Der Wochenspruch ist ein „übliches“ liturgisches Stück, das zwar Vorgänger in den sog. Eingangssprüchen hatte, aber in dieser „festen“ regelmäßig wiederkehrenden Form gar nicht auf eine lange evangelische Tradition zurückreicht, sondern erst in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt wurde. Er wurde zudem nicht in allen liturgischen Büchern immer gleich genannt. So heißt er in alten Agenden „Biblisches Votum“, im EKD-weiten Perikopenbuch von 2018 werden dem „Spruch der Woche“ gelegentlich „Tagessprüche“ zur Seite gestellt, weil diese nur für einen oder zwei Tage / Anlässe „gelten“ (z.B. Christfest/Christnacht - Epipphaniasfest - Karfreitag/Karsamstag). Stringent werden die Unterschiede im Württembergischen Perikopenbuch nicht immer getroffen, z.B. beim Christfest mit Tagesspruch (S.25) und Wochenspruch (S.125). Genau genommen soll der "Wochenspruch“ wohl auch für die Tage in der Woche nach einem Fest gelten. In anderen Kirchen gibt es ähnliche Voten, wie den Eröffnungsvers in der römischen Messe, im englischsprachigen Raum wird er oft einfach als „Sentence“ bezeichnet. Manchmal gibt es solch ein Votum nicht.
Einen festen Platz hat der „Wochenspruch“ in den Gottesdienstordnungen nicht. Häufig wird auf ihn in der Begrüßung hingewiesen und dient dazu, mit diesem biblischen Votum die inhaltliche „Thematik“ eines Sonntags bzw, Festes im Laufe des Kirchenjahres zu umreißen. Ursprünglich sollte der Name angeben, dass dieser Spruch dazu dienen sollte, als roter Faden die Lesungen einer Woche nach dem Kirchenjahr zu verbinden. Inzwischen hat er eine gewisse Eigenständigkeit gewonnen. Es gibt Betrachtungen dazu, musikalische Vertonungen, auch gregorianische Fassungen als Antiphonen zu den Wochenpsalmen im Evangelischen Tagzeitenbuch. Kirchliche Veröffentlichungen zeigen ihn auch an, wenn man sich in den täglichen Lesungen nicht nach der Kirchenjahreslese richtet. In den Entwürfen der Evangelischen Liturgie wird oft bei der Eröffnung darauf eingegangen. Außerdem wird auf `Evangelische Liturgie` vorgeschlagen den Wochenspruch in Anknüpfung an seinen ursprünglichen Gebrauch als zweiten Hallelujavers zur Begrüßung dem Evangelium voranzustellen (siehe Halleluja). Er könnte auch als Sendungswort am Ende eines Gottesdienstes dienen.
Zudem gibt es auf der Webseite `Evangelische Liturgie` für alle Wochen des Kirchenjahres jeweils ein Mittagsgebet (zum Wochenbeginn), das ganz dem Wochenspruch gewidmet ist. Es enthält knappe Auslegungen in Form von aphoristischen Betrachtungen, die von Benedikt Jetter verfasst und veröffentlicht wurden.
Eine historische Anmerkung: Während des dritten Reiches gab es ab ein Verbot, die Bezeichnung „Wochenspruch“ kirchlich zu verwenden, weil die Nationalsozialisten seit 1937 den Titel für ihre „Wochensprüche“ beanspruchten. (s. Wikipedia)