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20. August 2016


Prophet Samuel und seine Mutter Hanna (blau #) Prophet des Herrn, von seinem Gott geliebt

Samuel richtete die Gemeinde nach dem Gesetz des Herrn, und der Herr sah Jakob wieder gnädig an. Und der Prophet erwies sich als treu und gewissenhaft, und man erkannte, dass seine Weissagungen wahr wurden. Sir 46,17.18


In manchen Kirchen der Ökumene (Orthodoxie, Anglikanische Kirche in Kanada, amerikanische Lutheraner (LCA) wird nicht nur der Apostel und überzeugenden „Heiligen“ aus der Geschichte des christlichen Glaubens gedacht, sondern auch zu besonderen Tagen an herausragende Gestalten des Ersten Bundes erinnert mit dem, was von ihnen im Alten Testament (Tora, Prophetenbücher, Schriften – auch außerkanonisch) überliefert wird. Ihr Gedächtnis kann das „Thema“ für einen Wochen- Gottesdienst vorgeben. Dazu werden Vorschläge für eine abendliche Feier (Vesper) mit Elementen aus der Tagzeitenliturgie geboten.


Eröffnung (Begrüßung)
Gelobt sei Gott, der HERR, der Gott Israels, der allein Wunder tut. Gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich und alle Lande sollen seiner Ehre voll werden.  (Ps 72,28.29) R: Amen.
Wir gedenken heute des Propheten Samuel, der von seiner Mutter Hanna Gott geweiht und vom Hohenpriester Eli am Heiligtum in Silo - dem heutigen Hügel Chirbet Selun – erzogen wurde. (1. Samuel 1 - 2). Gott offenbarte ihm das Gericht über Eli um dessen gottloser Söhne willen und berief Samuel damit zum Propheten (1. Samuel 3). Er wurde gleichzeitig der letzte in der Reihe der Richter, der Vorgänger der Könige in Israel; als solcher gelang ihm die Befreiung des Volkes von den Philistern (1. Samue l7, 2 - 14) und die Rückführung des Volkes zu den oft vergessenen Satzungen Gottes (1. Samuel 12). Da sich seine Söhne als bestechlich erwiesen, waren sie als Nachfolger im Richteramt ungeeignet, so dass Gott gebot, nun doch einen König als Herrscher zu salben: zwar gegen die ursprünglichen göttlichen Weisungen, aber auf Grund des Wunsches des Volkes, zu sein wie andere Völker. Die Wahl fiel auf Saul (1. Samuel 8, 6 - 10, 27), der um 1012 von Samuel gesalbt und damit als Führer des Volkes eingesetzt wurde. Auch der erwies sich schon bald als ungehorsam, Samuel musste ihm seine Verwerfung ankündigen (1. Samuel 15, 10 - 31) und an seiner Statt David zum zukünftigen König salben (1. Samuel 16). Samuel starb, während David vor Saul floh, und wurde bei seinem Haus in Rama - möglicherweise dem heutigen Rantis in Palästina - begraben (1. Samuel 25, 1). Er war der erste und einer der ganz großen unter den alttestamentlichen Propheten, wird neben Mose und Aaron genannt (Psalm 99, 6). (a)

(Lied: Zieh an die Macht, du Arm des Herrn (EG 317,1-4)


(oder)

Eröffnung (Ingressus): Herr, bleibe bei uns (EG Wü 781.1)


Psalmgebet (gesprochen)

Votum:  Wie Mose und Aaron unter den Priestern Gottes und Samuel unter denen, die seinen Namen anriefen,  so erhebet den HERRN, unsern Gott, betet an vor dem Schemel seiner Füße; denn er ist heilig. (vgl. Ps 99,6.5)

Psalm 146 – Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele (EG 718)


Tagesgebet 

Beten wir in der Stille zu Gott, dem Freund der Ordnung, die das Leben schützt: - Stille - 

Ewiger und allmächtiger Gott. Dein Wille regiert die Welt. Dein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit erwarten wir. Deine Macht herrscht über alle irdischen Mächte. In den Irrungen und Erfolgen der irdischen Geschichte wie des eigenen Lebens, bei allen Gelingen und Versagen, das wir erfahren, lass uns darauf vertrauen, dass du das Wohl der Menschen im Blick hast und uns dein Heil gewährst in Jesus Christus, dem Retter und Herrn.  (b)


Lesung (Altes Testament): 1. Samuel 1,17-20.24-28 – Hanna nannte ihren Sohn Samuel

oder 1. Samuel 10,17-25 – Es fiel das Los auf Saul, den Sohn des Kisch

oder ein anderer Abschnitt aus dem 1. Samuelbuch


Antwortgesang: Ich suche dich, Herr, von ganzem Herzen (EG Wü 780.5)


Lesung (Neues Testament):  1. Timotheus 6,11b-16 -  Jage nach der Gerechtigkeit ... 

oder Matthäus 20,25-28 – Ihr wisst, dass die Herrscher der Welt ihre Völker niederhalten

oder ein anderer Abschnitt


Antwortgesang: Weise mir, Herr, deinen Weg (EG Wü 779.3)


Betrachtung 


oder Zur Rolle Samuels bei der Entstehung des Königtums (s. Anhang)


Lied: Herr, höre, Herr, erhöre (EG 423,1-4)


[ Canticum (c)

Leitvers: Der Herr hat uns aufgerichtet eine Macht des Heiles im Hause seines Dieners David.

Benedictus:  Gelobt sei der Herr, der Gott Israels (EGWü 779.6) ]|

 

Fürbitten

Allmächtiger Gott. Wir danken dir, dass du mit deinen Weisungen uns Orientierung gibst für die Gestaltung unseres menschlichen Miteinanders und durch deine Propheten uns immer wieder zurückrufst zu deinen Geboten. Lenke unsere Schritte, wie es dir gefällt. Zeige uns unsere Aufgaben in dieser Welt und gib uns Kraft und Mut, sie zu erfüllen. Wir rufen dich an:

R: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle, denen besondere Aufgaben übertragen sind in Staat und Gesellschaft, in der Verwaltung und im Rechtswesen, auch für alle, die die Politiker beraten, für alle, die langfristige Planungen entwerfen, dass das gemeinsame Wohl aller und die Anliegen einzelner Gruppen besonnen abgewogen und die Folgen von Entscheidungen sorgsam bedacht werden. Wir rufen dich an:

R: Herr, erbarme dich.

Wir bitten, dass niemand Schaden nimmt durch den Umgang mit Macht, weder dass jemand unterdrückt wird oder Unrecht erleiden muss, noch dass jemand verführt wird, sich zu überschätzen oder bedenkenlos gegebene Möglichkeiten auszunutzen, sondern dass sich jeder und jede der Verantwortung vor dir, Gott, und den Menschen bewusst bleibt und eigene Grenzen und Gefährdungen erkennt. Wir rufen dich an:

R: Herr, erbarme dich.

Wir bitten, dass im Streit zwischen verschiedenen Gruppen und Interessen auf Gewalt verzichtet wird; dass gegenseitige Kritik das menschliche Maß behält; dass selbst falsche Vorwürfe und Verdächtigungen sich ertragen lassen, ohne bitter zu werden; dass keine Seele erstickt wird in Problemen und Auseinandersetzungen; dass stets die Verständigung gesucht wird und alles ausrichtet bleibt auf ein Leben im Frieden. Wir rufen dich an:

R: Herr, erbarme dich.

In der Stille beten wir im Blick auf Aufgaben des politischen Leben, die uns persönlich am Herzen liegen oder die uns am meisten Sorgen machen:  - Stille -

Für das alles rufen  wir dich an:

R: Herr, erbarme dich.

Nimm dich aller gnädig an. Rette und erhalte uns. Du kannst uns helfen, du bis ein gütiger Gott und liebst die Menschen. Dir allein gebührt der Ruhm und die Ehre und die Anbetung, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. (d)


Vaterunser


[ Schlussgesang: Verleih uns Frieden gnädiglich (EG 421)
oder Schalom chaverim (EG 434) ]


Segen

[Der HERR hat seinen Thron über der Flut, der HERR bleibt ein König in Ewigkeit.] Der HERR wird seinem Volk Kraft geben, der HERR wird sein Volk segnen mit Frieden.(e) 

R: Amen.



Anhang


Zur Rolle Samuels bei der Entstehung des Königtums 

Im Zentrum der Samuel-Bücher stehen drei Gestalten: Samuel, Saul und David. „Die Geschichte der Entstehung des Königtums in Israel und Juda wird als die Geschichte dieser drei erzählt. So wird eine gesellschaftliche Entwicklung, die das ganze Volk – Frauen, Kinder und Männer – betraf, über weite Strecken auf das persönliche Schicksal dieser drei Männer konzentriert. Samuel setzt sich im Auftrag Gottes mit dem Wunsch des Volkes nach einem König auseinander. Vor- und Nachteile des Königtums werden hier dicht nebeneinander dargestellt (1 . Sam 8 – 12) – eine Ambivalenz gegenüber dem Königtum, die on der weiteren Darstellung in 1. und 2. Sam immer wieder sichtbar wird.“ (f)

„Auch wenn es hier bisher erhebliche Differenzen vor allem hinsichtlich des deuteronomistischen Anteils [in der Darstellung der Samuelbücher] gab, so ist sich die Forschung doch im Prinzip darüber einig, dass Samuel ein hohes Verdienst an der Errichtung des israelitischen Königtums zukommt. Die Texte, vor allem 1Sam 8-12, scheinen das auf den ersten Blick zu bestätigen. Zwei „Ämter“ Samuels lassen sich ausmachen: 

Einerseits gibt es einen breiten Traditionsstrom, der Samuel als Propheten sieht. Das zieht sich hinunter bis Ps 99,6, Jer 15,1 oder die Chronik. Dieser breite Strom dürfte auch nach dem oben skizzierten Durchgang durch die Texte Richtiges treffen, wenngleich für die Frühzeit Israels der Begriff Prophet nicht im Sinne späterer Kult- oder Schriftpropheten verwendet darf. Vielleicht wäre die neutralere Bezeichnung „Gottesmann“ (vgl. 1Kön 17,18 u.ö.) angemessener, oder man sollte noch vorsichtiger von einer charismatischen Persönlichkeit sprechen, wie sie auch für die Frühzeit anderer Kulturen außerhalb Israels belegt sind. 

Konkreter zu fassen ist die Richterüberlieferung. Es besteht relative Einigkeit darüber, dass Samuel aufgrund der Notizen in 1Sam 7,15-17a; 1Sam 25,1 als letzter in die Reihe der Kleinen Richter gehören könnte ( Kleine Richter). Problematischer ist die inhaltliche Füllung dieses „Amtes“. Handelt es sich um eine gesamtisraelitische Führungsfunktion, ... oder ist der Richter nur ein „Verwaltungsbeamter“ einer kleineren Einheit ohne Einfluss auf das Leben der Stämmegemeinschaft... . Der „Richter Israels“ könnte solch ein Repräsentant Israels gewesen sein, der zwar ohne Machtmittel ausgestaltet war, aber aufgrund seiner persönlichen Integrität und seines Charismas die Stämme vertreten konnte. Diese Sicht der Dinge passt vorzüglich zu dem Samuel, der sich aus den Texten erheben lässt. Es fiel auf, dass 1Sam 8-12 in ihrem älteren Bestand von einer positiven Rolle Samuels bei der Königserhebung Sauls nichts wissen. Das gilt vor allem für 1Sam 11. Eine Beteiligung Samuels ist damit geradezu ausgeschlossen. Statt dessen gibt es ältere Nachrichten von einem Konflikt zwischen beiden (1Sam 13,7b-15; 1Sam 15). Stimmen diese Beobachtungen, fügen sie sich gut in ein Gesamtbild ein. Der Vertreter des vorstaatlichen Israel steht dem Vertreter der neuen staatlichen Ordnung von vornherein kritisch gegenüber. Dass Spätere, ob im Nordreich oder im davidischen Juda ein Interesse daran haben, eben diese neue Ordnung durch die Beteiligung Samuels zu legitimieren, liegt auf der Hand. 

Der Richter Samuel dürfte damit also eher ein Gegner der neuen Institution Königtum gewesen sein. Saul ist danach ohne Beteiligung Samuels zum König ... geworden. Dies geschah wahrscheinlich in etwa so, wie 1Sam 11 die Dinge darstellt. Saul wird im Anschluss an eine erfolgreiche militärische Aktion gegen die Ammoniter die dauerhafte Führerschaft angetragen, ähnlich wie  Jephta in Ri 11. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass Saul zu diesem Zeitpunkt bereits einige (kleinere) militärische Erfolge in der Auseinandersetzung mit den Philistern zu verzeichnen hatte und zumindest in Mittelpalästina bekannt war. Die Geschichte vom noch jungen Viehhirten, auf den der Geist Gottes kommt und der so zu einer Heldentat begabt wird, erinnert zu sehr an die Rettergeschichten des Richterbuches und ist durch einschlägige Motive geprägt, als dass die Einzelzüge für historische Rückschlüsse von Wert sein könnten..“ (g)


Quellen und Vorlagen


Soweit nicht anders angegeben sind Bibelverse wörtlich zitiert aus: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

# als eigenständige liturgische Farbe für das Gedenken alttestamentlicher Gestalten könnte das adventliche Blau (der Erwartung) verwendet werden, wie es in der schwedischen und finnischen Kirche sowie in einer Reihe amerikanischer Denominationen (z.B. Lutheraner) gebräuchlich ist . (Es kann durch die Farbe der Kirchenjahreszeit ersetzt werden.)

[ ] durch Klammern gekennzeichnete Stücke können entfallen

a vgl. Ökumenisches Heiligenlexikon zu Samuel

b R.B.

c Die Verwendung des Benedictus als Canticum auch in diesem Abendgottesdienst legt sich nahe, da in der ostkirchlichen Tradition Johannes der Täufer als Repräsentant des ersterwählten Gottesvolkes gesehen wird (vgl. Deisis).

d vgl. Ch.Zippert, Gottesdienstbuch, Gütersloh 1999, S. 137 (Eberhard Lepsin)

e vgl.  Ps 29,10.11

f vgl.  Bibel in gerechter Sprache, Gütersloh 2006, S. 457 f.

g vgl. www.Bibellexikon: P.Mommer, Die Rolle Samuels bei der Entstehung des Königtums