Evangelische Liturgie
Texte zu Gottesdiensten im Kirchenjahr
Erläuterung zum Aufbau der Entwürfe
Die hier vorgeschlagen Texte dienen primär zur Gestaltung der Gottesdienste an Sonn- und Festtagen im Kirchenjahr. Sie sind orientiert an den Ordnungen, die in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gelten, berücksichtigen dabei in einen zweiten Teil (nach dem Stern *) auch die Feier des Abendmahls sowie weitere Formen nach dem für viele Landeskirchen nun gemeinsamen Evangelischen Gottesdienstbuch. Ferner ist darauf geachtet, dass für jede Woche im Kirchenjahr auch Texte zur Gestaltung eines Wochengottesdienstes (Abendgebet, Vesper, Taize-Andacht - besonders nach der 4. Ordnung s.u.) zur Verfügung stehen, sei es als alternatives Proprium, das am Sonntag nicht verwendet wurde, oder als eigener Gedenktag, der gefeiert wird, oder mit einem zusätzlich vorgeschlagenen thematischen Gottesdienst. Für die Gestaltung des Verkündigungsteils sind hier - außer mit den ausgewählten biblischen Lesungen - in der Regel keine eingehenderen Vorschläge gemacht, da dies eher eine homiletische Aufgabe ist, für die es eine Anzahl eigener Hilfen gibt. Ähnliches gilt für die Auswahl von Liedern. Dazu sei auf zwei Veröffentlichungen hingewiesen:
Packeiser / Egnerer / Holm / Leube, Lied trifft Text, Gesangbuchverlag Stuttgart, 2000;
Udo Schulze, Einsatz der Lieder im Gottesdienst, Westerstede (o.J.)
(Zu den fettgesetzen Stücken werden Texte angegeben)
1. Ordnung (Predigtgottesdienst)
SAMMLUNG
Vorspiel
Eröffnung
Diese Eröffnung (in den württembergischen Formen als Begrüßung bezeichnet) ist in manchen Gottesdienstordnungen (noch) nicht vorgesehen. Sie hat bewußt ihren Platz zwischen Vorspiel und Lied zum Eingang. Der Gruß bzw. das trinitarische Votum am Anfang macht deutlich, wodurch diese Feier als „Gottes - Dienst“ qualifiziert ist. Die anschließende Hinführung dient dem „Ankommen“ und Hineinfinden in die Feier. Hinweise, die bereits über den Gottesdienst hinausführen (z.B. Ansagen von Gemeindeveranstaltungen), gehören hier nicht her, sondern in den Sendungsteil. Ebenso sind Kasualabkündigungen hier unpassend. Die Eröffnung ist in der Regel nicht als Gebet, sondern als Anrede und Besinnung gestaltet. Dazu wurden auch manche sog. Eingangsgebete umformuliert. Wenn möglich die Eröffnung vom Lesepult (Ambo) aus gehalten werden. Die Gemeinde sitzt.
Lied zum Eingang
ANRUFUNG
Votum
Das Votum ermöglicht eine spezifische Einbindung des (gesprochenen) Psalms in das Gesamt-gefüge eines Gottesdienstes, akzentuiert den Psalm ähnlich der klassischen Antiphon im Stunden-gebet oder beim Introitus der Messe. Es ist ein biblischer „Aufruf“, der sich in vielen Gottesdienst-büchern der Ökumene als „Call to worship“ bzw. als „Eingangsspruch“ findet. Für diese Voten sind einerseits biblische Texte ausgewählt, die zumeist aus Psalmen und Psalmteilen stammen, die sonst im Gottesdienst nicht zur Sprache kommen, insbesondere Texte, die von der Perikopenordnung zwar vorgesehen, aber im Psalter des Gesangbuches (EG 701 ff) nicht enthalten sind. Andererseits sind auch die Wochensprüche berücksichtigt, wenn diese nicht an anderer Stelle passender sind.
Psalm
Die Zuordnung der Psalmen im Laufe eines Kirchenjahres, die hier zugrunde gelegt wird, versucht die Vorgaben durch die Agenden zu beachten und damit die Auswahl, die im Evangelischen Gesangbuch enthalten ist, zu verbinden. Zugleich soll der einzelne Psalm wenn auch nicht gleich-mäßig, so doch angemessen „vorkommen“, d.h. ein- bis zweimal im Jahr gesprochen werden. Cantica (biblische Hymnen) sind hier nicht berücksichtigt, sondern als „Bekenntnis“ nach der Predigt vorgesehen (s.u.).
Stille und Tagesgebet
Die vorgeschlagene Abfolge sucht das Stille Gebet stärker in den Anrufungsteil einzubinden und zu berücksichtigen, dass schon mit dem Psalm ein Gebetselement vorausgegangen ist. Durch ein erweitertes Oremus (Beten wir in der Stille zu Gott, der ...) mag dem individuellen Beten eine weitere Anregung gegeben werden. Da das Motiv des „Ankommens“ bereits in der Eröffnung aufgenommen wurde, konzentriert sich das Tagesgebet stärker auf die „Thematik“ des jeweiligen Gottesdienstes und hat auch die Aufgabe, den ganzen Anrufungsteil abzuschließen. So bekommt es eine gewisse Nähe zur klassischen Kollekte mit ihrer Gliederung in Anrede und Erinnerung von Gottes Heilshandeln (Anamnese), Bitte (Epiklese) und einem formelhaften Schluss (Konklusion), der es der Gemeinde ermöglicht, gemeinsam mit dem ihr zustehenden Amen zu schließen.
VERKÜNDIGUNG
Schriftlesung
Die Schriftlesung wird nach der für Württemberg geltenden Lektionsregel entsprechend dem Perikopengesetz ausgewählt. Sie besagt, dass die Schriftlesung „sich dem Ganzen des vom Kirchenjahr bestimmten Gottesdienstes einfügen“ soll. „Liegt der Predigt ein Evangelientext zugrunde, soll ... ein epistolischer oder alttestamentlicher Abschnitt..., wird eine Epistel oder eine alttestamentliche Lektion gepredigt, soll ... ein Text aus den Evangelien gewählt werden.“ (§ 6)
Darüberhinaus wird noch eine weitere biblische Lesung angegeben, so dass - wo das üblich ist - aus allen drei „Sparten“ (Altes Testament, Epistel, Evangelium) eine Lesung zur Verfügung steht, die die sog. Hauptlesungen eines Sonntags „ersetzen“ können. Wie die Reihenfolge ist und ob der Predigttext an der „klassischen“ Stelle oder unmittelbar vor der Predigt eingefügt wird, obliegt der liturgischen Gestaltung vor Ort.
Antwortlied
Text und Predigt
Besinnung (Stille / Zwischenspiel / Lied)
BEKENNTNIS (ANTWORT)
Bekenntnis / Lobpreis
Da in Württemberg (im Unterschied zu anderen Landeskirchen) die regelmäßige Verwendung eines Credos (gesprochen oder gesungen) erlaubt aber nicht verpflichtend ist, wird vorgeschlagen, als „Ant-Wort“ auf das vernommene Wort der Verkündigung und vor den Fürbitten (entsprechend einem Modell im Evangelischen Gottesdienstbuch) neben den klassischen Bekenntnissen auch eines der Cantica zu verwenden, die in der württembergischen Ausgabe des Gesangbuches enthalten sind (EGWü „Biblische Texte und Hymnen“ Nr. 759 - 765), darüberhinaus werden auch neuere Glaubenzeugnisse oder passende Bekenntnislieder, wie im Ergänzungsband zum Gottesdienstbuch, vorgeschlagen. Für Abendmahls- und Taufgottesdienste ist hier weiterhin das Apostolicum (EGWü 686), für Festtage das Nicänum (EGWü 687) passend.
Fürbitten
Gerade die Fürbitten sollten für den einzelnen Gottesdienst aktualisiert werden. Sie sind zur inneren Gliederung durchgehend so gestaltet, dass sie zudem von der Gemeinde immer wieder mit einem gesprochen oder gesungen Ruf aufgenommen werden. Dazu enthält das Evangelische Gesangbuch eine Anzahl von Formen (inbesondere 178.9, .10, .11, .12) Auch Rufe wie z.B. „Erhöre uns, Gott“ oder „Gott, zeige dein Erbarmen“ wären passend. (Gelegentlich ist mit Stern * ein Gebet gekennzeichnet, das sich eher für Abendmahlsfeiern eignet, in denen das doxologische Element seinen eigenen Ort in der Präfation hat.)
Vaterunser
SENDUNG
Lied zum Ausgang
Abkündigungen
(Friedensbitte)
(Sendungswort
Das Sendungswort nimmt in Zuspruch und Anspruch die Botschaft des Gottesdienstes noch einmal auf. Es kann die Abkündigungen abschließen bzw. dem Segen vorausgehen.)
Segen
Nachspiel
2. Ordnung (mit Abendmahl - Form der Evangelischen Messe)
SAMMLUNG
Vorspiel
Eröffnung (wie in 1. Ordnung)
Lied zum Eingang
ANRUFUNG
Eingeständnis
Im Eingeständnis werden menschliche Not, Gebrochenheit, Verstrickung, Versagen und Schuld artikuliert. In Wahrung der Redeform der anschließenden Vergebungsbitte ist es nicht als Gebet formuliert, sondern eine Besinnung und Anrede an die Gemeinde, die dann ihre Bitte um Erbarmen und Vergebung durch das Misereatur (Der allmächtige Gott erbarme sich unser ...) oder eine Form des Kyrie zum Ausdruck bringt. Das Eingeständnis kann auch als Vorspruch zum Kyrie (Zweite Form der Liturgie I des Evangelischen Gottesdienstbuches) sowie in der Oberdeutschen Form des Abendmahls als Einleitung zur Beichte verwendet werden.
Vergebungsbitte oder -gesang
Zusage
Der biblische Spruch kann für sich als Zusage des Erbarmens Gottes verstanden werden, er kann einer ausdrücklichen Vergebungszusage (Der allmächtige Gottes hat sich über uns erbarmt ...) oder einer Absolutionsformel vorausgehen. (In der Zweiten Form der Liturgie I (s.o.) wäre er ein Vorspruch zum Gloria.)
Gloria oder Kyrie oder Psalm oder Canticum (Lobpreis)
oder (statt Eingeständnis bis Lobpreis:): Kyrie-Litanei
In Gottesdiensten, wo das Gloria nicht üblich ist (Bußzeiten, Grundform II) kann das sog. Eingangsgebet, das in der reformierten Tradition oft auch ein Sündenbekenntnis einschließt, als Kurz-Litanei gestaltet werden, bei der die Gemeinde das Kyrie singt. Dazu sind besonders die Formen des Gesangbuches 178.1, 178.4, 178.5, 178.9., 178.10, 178.13, 178.14 sowie 185.4) geeignet. Auch andere Gesänge z.B. das „Du Trost der Verlorenen“ in Zink / Hufeisen, Wie wir feiern können, S. 93 (mit Textvarianten) eignen sich als Gemeinderuf.
Stille und Tagesgebet (wie in 1. Ordnung)
VERKÜNDIGUNG
Schriftlesung (wie in 1. Ordnung)
Antwortlied
(Evangelium - Antwortlied)
Text und Predigt
Besinnung (Stille / Zwischenspiel / Lied)
BEKENNTNIS (ANTWORT)
Glaubensbekenntnis oder Glaubenszeugnis (wie in 1. Ordnung)
Fürbitten (wie in 1. Ordnung)
(Gabensammlung)
ABENDMAHL
Lied zur Bereitung
(Betrachtung zur Bereitung)
Die Betrachtung zur Bereitung von Brot und Wein legt sich nur dort nahe, wo die Feier des Abendmahls besonders entfaltet wird.
Dialog - Präfation -Sanctus
Die wechselnde Präfation unterstreicht den Charakter des Abendmahls als Feier der Danksagung und des Lobes. Sie ist so ausgezeichnet, daß sie im einfachen Präfationston (g b-b ag aa / + a-a fg a gg) gesungen werden kann.
Abendmahlsgebet
Die für die Feier des Abendmahls konstitutiven Einssetzungsworte sind von einem eucharistischen Gebet umgeben, das die Grundsätze der sog. Lima-Liturgie aufnimmt. Zusammen mit der Präfation hat es einen trinitatischen Aufbau: Danksagung an Gott, den Vater (Präfation), Gedächtnis Jesu Christi (Anamnese) und Bitte um den Heiligen Geist (Epiklese). Es kann der Commuio-Aspekt, der eschatolgische Ausblick und eine abschließende Doxologie hinzutreten. Das Eucharistiegebet kann vor allem in seinem ersten Teil - insbesondere für die sog. Oberdeutsche Form - so umformuliert werden, dass es eine betrachtende Hinführung zu den Einsetzungsworten oder eine Proklamation ergibt.
Vaterunser
Brotbrechen und Gesang (Agnus Dei oder ein anderer passender Gesang)
Austeilung
Dankpsalm - Dankgebet
SENDUNG
(wie 1. Ordnung )
3. Ordnung (Abendmahl - oberdeutsche Form )
SAMMLUNG
(wie 1. und 2. Ordnung)
ANRUFUNG
(wie 1. Ordnung)
VERKÜNDIGUNG
(wie 1. Ordnung)
BEKENNTNIS (ANTWORT)
Glaubensbekenntnis oder Glaubenszeugnis
Lied
Eingeständnis ( wie 2. Ordnung )
Vergebungsbitte
Zusage (wie 2. Ordnung)
ABENDMAHL
Lied zur Bereitung
Abendmahlsgebet (wie 2. Ordnung)
Vaterunser
Brotbrechen und Gesang (z.B.Agnus Dei)
Austeilung
Dankpsalm - Dankgebet (mit Fürbitten) (wie 2. Ordnung)
Dem Dankgebet werden in der Oberdeutschen Form passende Fürbitten - in der Regel ohne Kyrie-Ruf - angefügt.
SENDUNG
(wie 1. und 2. Ordnung)
4. Ordnung
(Wochengottesdienst / Abendgebet / Vesper / Taize-Andacht)
(durch Stern * gekennzeichnete Stücke können entfallen)
SAMMLUNG
* Vorspiel
Eröffnung
als Begrüßung und Hinführung
oder (in der Vesper mit dem) Ingressus „Herr bleibe bei uns“
Gesang / Lied zum Eingang
* Danksagung über dem Licht
Findet im Abendgottesdienst nach altkirchlichen Brauch ein Luzernar (Entzünden der Lichter in der Kirche), so kann danach ein Dankgebet gesprochen oder (im Präfationston) gesungen werden.
ANRUFUNG
Votum (wie in der 1. Ordnung)
Psalm (wie in der 1. Ordnung)
Der Psalm kann auch gesungen werden. Dies legt sich besonders in der Form der Vesper nahe.
* Tagesgebet (wie in der 1. Ordnung)
VERKÜNDIGUNG
Schriftlesung
Antwortgesang
* Schriftlesung
Betrachtung
* Besinnung / Stille
Hymnus / Lied
ANTWORT (BEKENNTNIS)
* Lobgesang
oder Bekenntnis
Fürbitten
Vaterunser
SENDUNG
Lied / Gesang zum Ausgang
Segen
* Nachspiel